Homeoffice-Fluch oder Segen?

    Was denken Sie über die trendige Homeoffice Kultur? Nathalie Bolliger und Noah Desax nehmen zu diesem Thema Stellung, lesen Sie nach.

    Pro

    Wer kennt es nicht; man wird in unnötiges Geschwätz mit Arbeitskollegen verwickelt und aus Respekt, hört man zu, obwohl man Wichtigeres zu tun hat. Die Folge ist, dass dies vielleicht gut fürs Zwischenmenschliche ist, jedoch durch die Unproduktivität einen übers Jahr gesehen hohen Kostenfaktor bedeutet. Dadurch, dass ich weniger abgelenkt bin, kann ich in weniger Zeit mehr machen und kann somit meine Effizienz kontinuierlich hochhalten.

     

     

    Ein weiterer Faktor für mich ist die Work-Life-Balance. Auch wenn ich gerne Auto fahre und mittlerweile schon über vier Jahre vom Appenzellerland nach Zürich pendle, hat man es irgendwann gesehen. Ich bin über diese Zeit an sehr vielen Verkehrsunfällen vorbeigefahren und bin sehr dankbar, dass mir bis heute nichts passiert ist. Bekanntlich passieren die meisten Unfälle zuhause, ich halte mein Homeoffice dennoch nicht nur für sicherer, sondern kreiert es auch weniger Umwelt- und Verkehrsbelastungen.

     

    Dazu kommen auch die flexiblen Arbeitszeiten. Ich kann mich noch gut an Blockzeiten erinnern und was dies für einen Einfluss auf die Flexibilität der Gestaltung meines Tages bedeutete. In meinem Beruf als Interim Recruiter stehen die kurzfristigen Ziele im Vordergrund. Ich habe klare Deadlines bis wann ich was zu liefern habe, somit geben mir meine Ziele meine Arbeitszeiten vor, was eine gute Planung voraussetzt. Ich geniesse es, wenn ich in einer Woche frühzeitig meine Ziele erreichen kann und dann am Tag X weiss, heute kannst du früher Schluss machen. Und da kommt dann wieder der wegfallende Arbeitsweg wie gerufen, sodass ich mehr Zeit für meine Familie habe.

     

    Wir im HR mögen die offene und transparente Kommunikation. Da bietet es sich an, so viel Austausch und Meeting zu halten wie möglich, nur sind all diese wirklich zielführend? Es ist sicherlich wichtig, dass man sich in einem regelmässigen Turnus Face-to-Face austauscht, nur gibt es teilweise Frequenzen, die nicht wirklich von Effizienz geprägt sind. Mit unseren modernen Kommunikationsmöglichkeiten, kann man sich auch sehen oder Konferenzschaltungen führen, ohne dass alle vor Ort sein müssen. So kann man sich auf die wirklich notwendigen Meetings konzentrieren, die dann auch zielführend gestaltet und mit klaren «Spielregeln» versehen sind.

     

    Lieber Gruss Noah Desax

    Contra

    Für mich gibt es zwei unterschiedliche Blickwinkel auf das Thema Homeoffice. Aus Arbeitgebersicht finde ich es oftmals schwierig nachzuvollziehen, wann beziehungsweise was die einzelnen Mitarbeitenden im Homeoffice arbeiten. Wenn es bei einer Tätigkeit zudem keine klar messbaren Ziele gibt, wird eine Leistungsbeurteilung enorm schwierig. Und ist es noch Arbeitszeit, wenn ich während meiner Arbeit zu Hause kurz die Waschmaschine ausräume? Grundsätzlich ist auch unser heutiges Arbeitsgesetz nicht mehr zeitgemäss anwendbar in Zeiten von Homeoffice. Während die Vereinbarkeit von Job und Familie einen immer höheren Stellenwert einnimmt, werden immer mehr Forderungen nach einer flexiblen Einteilung der Arbeit über die Arbeitswoche und den Arbeitstag laut. Vielleicht möchte man einen Teil der Arbeit später am Abend von zu Hause aus erledigen. Dies bedingt aber, dass Vorschriften zu den täglichen Überstunden wegfallen sowie die Ruhe- und Arbeitszeitvorschriften vereinfacht werden müssten. Zu bedenken sind aber auch die gesundheitlichen Konsequenzen eines solchen Modells, es müssten wohl neue und stärkere Regelungen eingeführt werden.

                                                                                                                            Aus Sicht des Arbeitnehmers kann ich natürlich sehr gut verstehen, dass es angenehm ist, sich am Morgen nicht raus, durch Schneegestöber und Windböen, an den Arbeitsplatz bewegen zu müssen. Auch kann – rein theoretisch - die Effizienz noch weiter gesteigert werden, wenn der Tag frei planbar ist und es auch keinen Kaffeeklatsch und keine unvorhergesehenen Anrufe gibt. Doch sind es nicht genau diese kleinen Störungen, die den Arbeitsalltag bereichern und der Austausch mit den Kollegen, der einen auf neue Gedanken bringt?  Eine grosse Gefahr sehe ich generell in der Trennung zwischen Arbeit und Privatleben, die immer mehr verschwindet. Eine Abgrenzung muss bei Homeoffice noch viel konsequenter als sonst schon vorgenommen werden. Ich persönlich geniesse zudem, mich auf dem Arbeitsweg langsam auf den Tag einzustimmen und dann später auf dem Nachhauseweg wieder «runterzufahren» und Distanz gewinnen zu können. Ausserdem braucht es aus meiner Sicht eine enorme Selbstkontrolle, um sich zu Hause nicht während der Arbeitszeit immer mal wieder zum Kühlschrank zu bewegen - die Ablenkung durch die Kinder noch gar nicht mit einbezogen. 

     

    Lieber Gruss Nathalie Bolliger


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